Plachelhofstraße 11: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Baugeschichte

Keine Bearbeitungszusammenfassung
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(33 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
{{#vardefine:Koordinate| 47° 2'24.61"N, 15°25'40.85"E}}{{Karte}}
{{Adresse
|Straße=Plachelhofstraße
|Hausnummer=11
|Stadtbezirk=Puntigam
|PLZ=8055
|Ort=Graz
|Zone=Schutz-Kataster Puntigam
|Denkmalschutz=Nein
|Bundesland=Steiermark
|Land=Österreich
|aktuellerStatus=Aktuell
|Language=de
}}
{{Karte
|Koordinaten=47.04001, 15.42828
}}
{{TextBilder
|Textabschnittstitel=Ehemaliger Plachelhof
|Textabschnitt=Der einzige, heute noch erhaltene Hof in diesem Stadtteil ist der aus dem 18. Jh. stammende, direkt an der Geländekante des "Wagrain" gelegene, sogenannte "Plachelhof" in der Plachelhofstraße 11a (auf Stadtplänen oft als eine Fortsetzung der Zahnstraße gezeichnet), im 19. Jahrhundert auch als "Triesterhof" bezeichnet und mit der Hausnummer Triesterstraße 266 geführt. Er wird 1753 erstmals genannt, als der Brauer J. Rusterholzer einen mit 1.400 Gulden geschätzten Hof in der Karlau nächst dem "Hochgerichte" erwarb, das sich im Bereich des heutigen Kriegerfriedhofs in der Alten Poststraße befand. Die früher datierte Inschrift über dem steinernen Rundbogenportal im Norden "I.R.H. 1746" deutet wohl auf einen grundlegenden Umbau durch Jakob Rusterholzer hin, der 1735 der Stadt Graz den Bürgereid geleistet hatte (ein Josef Rusterholzer wird erst 1755 genannt). 1796 war der Hof im Besitze von A. Plachl, nach Auskunft der derzeitigen Besitzerin eine Bräuerin. Im Grazer Bürgerbuch finden wir aber "Plächl Andreas, Weinschenk u. -händler aus Graz, der 1781 den Bürgereid leistete (wie oft in dieser Abschrift ist der Name wohl richtig: Plachl zu lesen). Dann wechselten die Besitzer.


==Ehemaliger Plachelhof==
Um 1830/40 kam es zu verschiedenen Umbauten (Fassade) im Stile des Biedermeier, die vermutlich Dr. M. Musil in Auftrag gab. Als Baumeister weiterer Umbauten um 1850 wird Andrea Franz angegeben. 1901/02 wurde an der Südseite eine Terrasse angebaut und im Inneren erfolgten Umbauten durch den Architekten HANS PRUCKNER. Bis 1928 waren hier die "Alpenländischen Impfstoffwerke" untergebacht, damals wurden Stallungen und Nebengebäude an- oder umgebaut. Nach 1928 im Besitz der "Österreichischen Realitäten-A.-G. 1936 hat der Vater der heutigen Besitzerin an der Südseite des Hauptgebäudes einen Turm angebaut; einen Turm an der Südostseite zeigt allerdings auch schon die Weintaz-Karte. In die Gartenmauer sind acht verschiedene gußeiserne Maskarons eingelassen, die von der ehemaligen Hauptbrücke (heute: Erzherzog-Johann-Brücke) stammen. Das alte Haus westlich der Mauer dürfte seinerzeit auch zum Plachelhof gehört haben.  
 
<gallery widths="720" heights="300" perrow="1" align="center">
Datei: Plachelhof,_Weintazkarte.JPG| Der Plachelhof und das Hochgericht 1735 (StLA Weintazkarte)
</gallery>
 
<gallery widths="340" heights="300" perrow="2" align="center">
Datei:Plachelhofstraße_11a.JPG|Ansicht von Norden (Foto Laukhardt 2011)
Datei:Plachelhofstraße_11a._Balkon.JPG| Westfassade mit Balkon (Foto Laukhardt 2011
</gallery>
 
Der einzige, heute noch erhaltene Hof in diesem Stadtteil ist der sogenannte "Plachelhof", im 19. Jahrhundert auch als "Triesterhof" bezeichnet. Er wird 1753 erstmals genannt, als der Brauer J. Rusterholzer einen mit 1.400 Gulden geschätzten Hof in der Karlau nächst dem "Hochgerichte" erwarb, das sich im Bereich des heutigen Kriegerfriedhofs in der Alten Poststraße befand. 1796 war es im Besitze des A. Plachl, dann wechselten die Besitzer. Um 1830/40 kam es zu verschiedenen Umbauten (Fassade), die vermutlich Dr. M. Musill in Auftrag gab. 1901/02 wurde an der Südseite eine Terrasse angebaut und im Inneren erfolgten Umbauten durch den Architekten HANS PRUCKNER. Bis 1928 warem hier die "Alpenländischen Impfstoffwerke" untergebacht, damals wurden Stallungen und Nebengebäude an- oder umgebaut. Nach 1928 im Besitz der "Österreichischen Realitäten-A.-G. 1936 wurde an der Südseite des Hauptgebäudes ein Turm aufgebaut. In die Gartenmauer sind verschiedene gußeiserne Maskarons von der ehemaligen Hauptbrücke (heute: Erzherzog-Johann-Brücke) eingelassen.  
Durch die Liquidierung des im "Plachelhof" untergebrachten Serumwerkes und durch Parzellierung des Areals entstand die "Staudachersiedlung", 1921 von der Gemeinde beschlossen.
Durch die Liquidierung des im "Plachelhof" untergebrachten Serumwerkes und durch Parzellierung des Areals entstand die "Staudachersiedlung", 1921 von der Gemeinde beschlossen.


 
(Nach: Bürgerbuch; Pirchegger, Häuserbuch; ÖKT 1984; Kubinzky-Wentner 2009; Laukhardt, Alt-Graz in der Vorstadt; Familien Stegmüller und Steinkellner)
(Nach: ÖKZ 1984)  
|Bildname1=Plachelhof,_Weintazkarte.JPG
 
|Bildbeschreibung1=Der Plachelhof (über dem Wort "Gräz" und das Hochgericht ca. 1750 (StLA Weintazkarte)
Edith Hörandner, Stefan Benedik Karner - 2007 - Political Science - 384 Seiten
|Bildname2=Plachelhofstraße_11,_Nordfassade.JPG
12 Der Name Mahrenbergersiedlung war weder mir, obwohl ich dort gewohnt habe, noch anderen ... Die Mahrenbergsiedlung wurde auch Mahrenbergersiedlung oder ...
|Bildbeschreibung2=Nordfassade mit Portal
 
|Aufnahmejahr2=Foto Laukhardt 2011
''Kommentar: Das kunsthistorisch und geschichtlich bedeutende Gebäude, ehemals knapp außerhalb der Mauer des Jagdschlosses Karlau situiert, steht nicht unter Denkmalschutz und befindet sich in keiner Altstadt-Schutzzone. Es ist derzeit leider durch unmaßstäbliche Firmenschilder völlig unter seinem Wert präsentiert. Es wären dringend Maßnahmen zu ergreifen, um das wertvolle Haus in seinem Bestand der Nachwelt zu erhalten.''
|Bildname3=Plachelhofstraße_11,_Portal_1746.JPG
<div class="visualClear"></div>
|Bildbeschreibung3=Steinbogenportal von 1746
 
|Aufnahmejahr3=Foto Laukhardt 2011
[[Kategorie: Schutz-Kataster Puntigam]][[Kategorie: Triester Straße]][[Kategorie:Adresse]][[Kategorie: gefährdet]][[Kategorie:aktuell]]
|Bildname4=Plachelhofstraße_11,_Ostfassade.JPG
|Bildbeschreibung4=Ostfassade von 1830/40
|Aufnahmejahr4=Foto Laukhardt 2011
|Bildname5=Plachelhofstraße_11,_Westfassade.JPG
|Bildbeschreibung5=Westfassade mit Balkon
|Aufnahmejahr5=Foto Laukhardt 2011
|Bildname6=Plachelhofstraße_11,_Turm.JPG
|Bildbeschreibung6=Südfassade mit Turm von 1936
|Aufnahmejahr6=Foto Laukhardt 2011
|Bildname7=Plachelhofstraße 11 a, Keller.JPG
|Bildbeschreibung7=Gewölbekeller
|Aufnahmejahr7=Laukhardt 2016
|Bildname8=Plachelhofstraße_11_a,_Kellerstiege_Süd.JPG
|Bildbeschreibung8=Kellerstiege Süd
|Aufnahmejahr8=Laukhardt 2016
|Bildname9=Plachelhofstraße 11 a, Kellerstiege Nord.JPG
|Bildbeschreibung9=Kellerstiege Nord
|Aufnahmejahr9=Laukhardt 2016
|Bildname10=Plachelhofstraße 11 a, Maskarons.JPG
|Bildbeschreibung10=Zwei der acht Maskarons
|Aufnahmejahr10=Laukhardt 2016
}}
[[Kategorie: Triester Straße]][[Kategorie: denkmalwürdig]][[Kategorie: gerettet]]
{{Discussion}}

Aktuelle Version vom 8. Juni 2023, 11:26 Uhr

Österreich » Steiermark » Graz » 8055



Die Karte wird geladen …

47° 2' 24.04" N, 15° 25' 41.81" E

Ehemaliger Plachelhof

Der einzige, heute noch erhaltene Hof in diesem Stadtteil ist der aus dem 18. Jh. stammende, direkt an der Geländekante des "Wagrain" gelegene, sogenannte "Plachelhof" in der Plachelhofstraße 11a (auf Stadtplänen oft als eine Fortsetzung der Zahnstraße gezeichnet), im 19. Jahrhundert auch als "Triesterhof" bezeichnet und mit der Hausnummer Triesterstraße 266 geführt. Er wird 1753 erstmals genannt, als der Brauer J. Rusterholzer einen mit 1.400 Gulden geschätzten Hof in der Karlau nächst dem "Hochgerichte" erwarb, das sich im Bereich des heutigen Kriegerfriedhofs in der Alten Poststraße befand. Die früher datierte Inschrift über dem steinernen Rundbogenportal im Norden "I.R.H. 1746" deutet wohl auf einen grundlegenden Umbau durch Jakob Rusterholzer hin, der 1735 der Stadt Graz den Bürgereid geleistet hatte (ein Josef Rusterholzer wird erst 1755 genannt). 1796 war der Hof im Besitze von A. Plachl, nach Auskunft der derzeitigen Besitzerin eine Bräuerin. Im Grazer Bürgerbuch finden wir aber "Plächl Andreas, Weinschenk u. -händler aus Graz, der 1781 den Bürgereid leistete (wie oft in dieser Abschrift ist der Name wohl richtig: Plachl zu lesen). Dann wechselten die Besitzer.

Um 1830/40 kam es zu verschiedenen Umbauten (Fassade) im Stile des Biedermeier, die vermutlich Dr. M. Musil in Auftrag gab. Als Baumeister weiterer Umbauten um 1850 wird Andrea Franz angegeben. 1901/02 wurde an der Südseite eine Terrasse angebaut und im Inneren erfolgten Umbauten durch den Architekten HANS PRUCKNER. Bis 1928 waren hier die "Alpenländischen Impfstoffwerke" untergebacht, damals wurden Stallungen und Nebengebäude an- oder umgebaut. Nach 1928 im Besitz der "Österreichischen Realitäten-A.-G. 1936 hat der Vater der heutigen Besitzerin an der Südseite des Hauptgebäudes einen Turm angebaut; einen Turm an der Südostseite zeigt allerdings auch schon die Weintaz-Karte. In die Gartenmauer sind acht verschiedene gußeiserne Maskarons eingelassen, die von der ehemaligen Hauptbrücke (heute: Erzherzog-Johann-Brücke) stammen. Das alte Haus westlich der Mauer dürfte seinerzeit auch zum Plachelhof gehört haben. Durch die Liquidierung des im "Plachelhof" untergebrachten Serumwerkes und durch Parzellierung des Areals entstand die "Staudachersiedlung", 1921 von der Gemeinde beschlossen.

(Nach: Bürgerbuch; Pirchegger, Häuserbuch; ÖKT 1984; Kubinzky-Wentner 2009; Laukhardt, Alt-Graz in der Vorstadt; Familien Stegmüller und Steinkellner)

Kommentare

Das kunsthistorisch und auch industriegeschichtlich bedeutende Gebäude, steht nicht unter Denkmalschutz und befindet sich in keiner Altstadt-Schutzzone. Es wäre dem Bundesdenkmalamt dringend anzuraten, eine Unterschutzstellung und die Sicherung der Maskarons zu prüfen.
Laukhardt

Ein Besuch zeigte heute, dass die Fassade des Hofes schön erneuert wurde. Der Sohn der 2015 verstorbenen Besitzerin hat ebenso wie ein Miteigentümer den Wert des Objektes erkannt und wird auf seine Erhaltung achten. Wir freuen uns darüber!

Laukhardt (Diskussion) 18:40, 5. Feb. 2016 (CET)

Einzelnachweise

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung von Baugeschichte. Durch die Nutzung von Baugeschichte erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies speichern.